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Ich kann das nicht mehr: Prioritäten neu setzen

  • Autorenbild: Johanna Tiefenbacher
    Johanna Tiefenbacher
  • vor 3 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Ich kann das nicht mehr.


Ich konnte das noch nie. Und jetzt will ich auch nicht mehr.


Immer wieder komme ich an den Punkt, an dem ich mir sage: So geht es nicht weiter. So komme ich nicht voran. Ich muss eine neue Strategie finden. Fürs Marketing, um auf Social Media präsent zu bleiben. Aber jedes Mal fühlt sich ein neuer Plan, regelmäßig zu posten, nach den ersten ein bis zwei Posts cringe an. Ich kann mich nicht überwinden, wirklich lange dabei zu bleiben. Da ist immer die Zweiflerin in mir, die sagt: Das bist du nicht. Das willst du nicht teilen. Das interessiert doch niemanden.


Und so ist es auch. Let’s face it: Ich bin für diesen Markt nicht gemacht. Ich kann mich nicht selbst verkaufen. Es ist mir unangenehm, ständig etwas in die Welt herauszuschreien und vor allem, Menschen zu sagen, sie sollen meine Bücher kaufen, weil die toll sind und weil ich toll bin. Es fühlt sich komisch an, keine Reaktionen auf Posts zu bekommen, aber wenn ich Kommentare und Nachrichten bekomme, stresst mich das auch.


Ich habe mich nur deshalb damals bei Facebook und Instagram angemeldet, weil mir das als neue Autorin geraten wurde. Nicht, weil ich privat Freude daran habe. Und klar, seitdem habe ich es auch privat genutzt, weil es zur Vernetzung durchaus Vorteile hat, aber wirklich Freude daran habe ich nach wie vor nicht. Es macht mir viel Stress, weil ich das Gefühl habe, immer von Menschen umgeben zu sein, mit denen ich interagieren müsste, aber ich weiß nicht wie, weil ich das ja schon im realen Leben nicht richtig hinbekomme.


Und das Schlimmste an der Sache? Es fällt mir auch zunehmen schwerer, am Schreiben die Freude zu finden. Nicht, weil ich keine Geschichten hätte, die ich erzählen will. Nein, die würden gern aus mir heraussprudeln, aber ich kann mich nicht auf sie einlassen, weil mich neben meinem Privatleben auch immer der Gedanke stoppt, wie gut das Ganze denn zu vermarkten wär, in welche Kategorien ich die Geschichte am besten einordnen sollte, ob es sich ohne Liebesgeschichte im Fokus überhaupt verkaufen würde … Und vielleicht sollte ich am besten jetzt schon mit dem Marketing anfangen … aber dann muss ich natürlich auch im Zeitplan fertig werden … dann müsste ich meine Idee jetzt schon so gut finden, dass ich begeistert davon erzählen will, obwohl ich halb-fertige Ideen nicht mal mit Freunden teilen würde.


Dann fühle ich den Flow nicht mehr, möchte nicht mehr weiterschreiben, frage mich an jeder schwierigen Stelle im Schreibprozess, ob es das wert ist oder ich lieber gleich etwas schreiben sollte, was markttauglicher ist …


Ich mag die Apps nicht mehr öffnen und mir ansehen, wie Autor:innen erfolgreich sind, während ich immer wieder scheitere. Und versteht mich bitte nicht falsch, natürlich freue ich mich, wenn andere es schaffen, wenn es mehr queere Bücher gibt, die ein breiteres Publikum erreichen. Das ist super! Aber es erinnert mich eben auch daran, was ich sieben Jahren nicht geschafft habe und dass es mir gerade alles überhaupt keinen Spaß mehr macht.


Ich möchte auch den Content nicht sehen, der mir sagt, wie ich es besser machen soll, wo ich Kurse belegen und Gruppen beitreten kann. All das erschöpft mich schon beim Lesen.


Ich werde nie mit dem Schreiben aufhören, selbst wenn ich nicht aktiv etwas zu Papier bringe, entwickeln sich die Ideen wie von selbst. Aber ich brauche eine Pause von Social Media und ich brauche eine Pause von dem Gedanken, wer meine Bücher lesen könnte und wie ich mehr Leute erreichen kann. Wenn es nach mir ginge, müsste ich mir darüber nie Gedanken machen. Aber so funktioniert das natürlich nicht. Aber dann muss ich eben akzeptieren, dass ich in diesem System nie bestehen werde, dass es mich nie glücklich machen wird. Dann sind meine Geschichten eben nur für mich und ein paar wenige Leute.


In diesem Jahr sind für mich als Autorin schon zwei Events geplant, an denen ich auch teilnehmen werde. Vielleicht machen die mir ja auch mehr Spaß, wenn für mich kein Druck mehr daran hängt. Vielleicht schaffe ich es ja wirklich, in diesem Jahr wieder ein Buch zu beenden.


Vielleicht auch nicht. Aber dann habe ich es versucht und das ist okay.

Im Moment muss ich einfach diesen Druck loswerden. Ich muss mich von meinen Erwartungen befreien und überhaupt erst einmal zufrieden mit meiner Arbeit werden.


Dann schaue ich weiter.


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